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Wirtschaft

29.03.2017 - Artikel

Stand: März 2018

Grundlagen

Brunei ist eine kleine Volkswirtschaft. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen (2017vorl. Angabe des IWF) von 27.893 US-Dollar zählt das Land zu den wohlhabendsten  Staaten der Welt, bei allerdings großen Einkommensunterschieden Beim UNDP-Human Development Index nahm es 2015 den 30. Rang (2014=31.) ein. Damit hält das Sultanat den ersten Platz unter islamischen Ländern und den fünften Platz in Asien. Zum Vergleich: Das Nachbarland Malaysia rangiert (2015) auf Rang 59 , das nächstplatzierte islamische Land ist Katar auf Rang 33. Singapur erreichte 2015 Rang 5 Allerdings sind wegen eklatanter Einkommensunterschiede weder Brunei noch Singapur oder Katar unter den ersten 50 Staaten zu finden wenn der UNDP-Ungleichheitsindex zugrunde gelegt wird.

Die Öl- und Gasförderung bildet seit Jahrzehnten das Rückgrat der bruneiischen Volkswirtschaft. Sie trägt zu über 60 Prozent zum BIP bei, schafft  rund 90 Prozent der Exporteinkünfte sowie auch etwa 90 Prozent der Staatseinnahmen. Der Sektor beschäftigt etwa 24.000 Personen. Die Förderung von Erdöl sinkt weiter und betrug 2016  121.000 Barrel pro Tag. . Gegenüber dem Höchststand der Produktion im Jahr 2006 mit 221.000 Barrel/Tag ist diese  damit um 45 Prozent zurückgegangen. Im Januar 2018 betrug die durchschnittliche Förderleistung lt. Bloomberg nur 94.000 Barrel/Tag.  Zu diesem Rückgang haben auch Modernisierungs- und Überholungsarbeiten an den Produktionsanlagen beitragen. Nach deren Abschluss rechnet man ab 2018 mit einer schrittweisen Erhöhung der Förderleistung auf 140.000 Barrel/Tag (2022).

Die Erdgasproduktion verharrt seit vier Jahren auf ca. 1,2 Mrd. Kubikfuß pro Tag bzw. jährlich etwa 12,4 Mrd. m3. Die Gasreserven belaufen sich auf etwa 390 Mrd. m3. Durch die sinkende Ölförderung in den vergangenen Jahren bei etwa konstanter Gasförderung haben sich die Anteile der beiden Bereiche zugunsten der Gaserzeugung verschoben. Gemessen am Energiewert trägt der Gassektor 2016 etwa  zwei Drittel und Öl etwa ein Drittel zur Förderung bei. Auf Grund von Investitionen wird im Gassektor ab 2021 mit einer merklichen Erhöhung der Förderleistung gerechnet.

Die Wirtschaft Bruneis ist in den vergangenen Jahren im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittlich gewachsen und schrumpfte 2016 im vierten Jahr in Folge. Seit dem 2. Quartal 2017 wächst die bruneiische Wirtschaft (+0,4%) wieder, was sich im 3. Quartal fortsetzte (+1,2%), sodass für das Gesamtjahr mit einem bescheidenen Wachstum gerechnet wird. Hauptfaktoren für diese günstiger als erwartet verlaufene Entwicklung waren die gestiegenen Öl- und Gaspreise sowie höhere Investitionen im Öl- und Gassektor. 

Es gibt weiterhin bürokratische Hindernisse bei der Suche nach Wachstumschancen außerhalb des Energiesektors. Lt. Angaben der Weltbank betrug die Arbeitslosenrate im Dezember 2017 6,4% (Dez. 2016 6,5%).  Problematisch ist eine steigende Jugendarbeitslosigkeit, auch unter jungen Bruneiern mit Hochschulabschluss.

Die Landeswährung Brunei-Dollar ist an den Singapur-Dollar 1:1 gekoppelt; beide Währungen sind  im jeweils anderen Land Zahlungsmittel. Die  Devisenreserven Bruneis erhöhten sich 2016 gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent auf 3,487 Mrd. US-Dollar.

Brunei ist ASEAN-Mitglied seit 1984 (Association of South East Asian Nations) und Mitglied der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), daneben Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO),des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der ASEAN-Freihandelszone (AFTA). Das mit Deutschland abgeschlossene Abkommen zur Förderung und zum Schutz bilateraler Investitionen ist am 15.06.2004 in Kraft getreten.

Brunei gehört zu den elf Staaten, die am 8. März 2018 in Santiago (Chile) ein Freihandelsabkommen (CPTPP - Comprehensive and Progressive Trans Pacific Partnership) unterzeichneten, nachdem sich die USA von der Vereinbarung (damals noch TPP – Trans Pacific Partnership) zurückgezogen hatten. Es sieht unter anderem den Wegfall von Zöllen auf Agrar- und Industrieerzeugnisse vor. 

Wirtschaftssektoren

Bruneis Wirtschaft ist nach wie vor auf die Erdöl- und Erdgasproduktion sowie Zulieferungen und Dienstleistungen für diesen Sektor ausgerichtet. Erdgas wird seit Mitte der 70er Jahre als Flüssiggas hauptsächlich  Japan und Korea exportiert. Hauptabnehmerländer für Rohöl sind Indien und Thailand mit jeweils ca. 20%.

Auf Basis der Erdgasvorkommen werden seit Jahren Pläne zur Ansiedlung weiterer petrochemischer Industrien verfolgt. Einziges bisher sichtbares Ergebnis ist die Anfang 2010 fertiggestellte Methanolfabrik eines japanisch-bruneiischen Konsortiums mit einem Investitionsvolumen von 350 Mio USD. 2012 begonnene Arbeiten zur Errichtung eines kombinierten petrochemischen und Raffinerie-Komplexes durch das chinesische Unternehmen Hengyi hat mit Verzögerungen zu kämpfen.  Mit einem Volumen von etwa 3,5 Mrd. US-Dollar ist es das mit Abstand größte Industrieprojekt in Brunei. Wirtschaftsunternehmen der Volksrepublik China, gegenwärtig rund 30, haben sich in den letzten Jahren in Brunei fest etablieren können und sind in weitere Bereiche vorgedrungen, etwa im Infrastrukturbereich (Tiefbau, Hafenmanagement) sowie in Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion.

Einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung der bruneiischen Wirtschaft soll der Bau eines Düngemittelwerks durch das deutsche Unternehmen ThyssenKrupp leisten, das bruneiisches Erdgas verarbeiten wird und über 1 Mrd. Euro kosten soll. Der Vertrag mit der staatlichen Firma Brunei Fertilizer Industries wurde im August 2017 unterzeichnet. Das Werk soll 2021 übergeben werden.

Arbeits- und lohnintensive Industrien sind in Brunei nach dem Niedergang der Textilindustrie Ende der 2000er Jahre nicht mehr vorhanden. Der Privatsektor bildet sich langsam heraus, benötigt aber ausländisches Kapital und Know-how. Land- und Forstwirtschaft sowie die Hochseefischerei, die zusammen nur etwa 1 Prozent zur Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beitragen, müssen weiter entwickelt werden. Neue Aktivitäten in diesem Bereich sind Biotechnologie, kleinere pharmazeutische Produktionseinrichtungen sowie ein groß angelegter Aufbau von Halal-Produktionsbetrieben, in denen Nahrungsmittel, Kosmetika und Pharma nach islamischen Reinheitsgeboten hergestellt werden. Zur Sicherstellung der Fleischversorgung unterhält Brunei in Australien zwei Rinderfarmen. Lebensmittel, darunter auch das Grundnahrungsmittel Reis, sowie alle Verbrauchsgüter werden noch immer zu annähernd 90 Prozent eingeführt.

Bruneier ziehen eine Anstellung im besser zahlenden Öffentlichen Dienst des Sultanats handwerklichen oder Dienstleistungstätigkeiten meist vor. Der öffentliche Dienst beschäftigt mittlerweile 56 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung (ca. 190.000 Personen, 108.000 Männer, 81.000 Frauen bei einem Ausländeranteil von rund 100.000) im Sultanat. Die hohen Lohnkosten des öffentlichen Sektors sind für die Privatwirtschaft nicht tragbar. Gegenwärtig sind 68 Prozent der Beschäftigten im Privatsektor Ausländer, etwa die Hälfte Gastarbeiter u.a. aus Indonesien, den Philippinen,  Bangladesch, Thailand und Pakistan. Eine Gewerkschaft gibt es nur in der Ölindustrie.

Privatisierung

Die im Rahmen des 8. Entwicklungsplans (2001-2006) formulierten Privatisierungsziele wurden bisher nur in Teilen und mit großer zeitlicher Verzögerung umgesetzt. Die einzige innerhalb von zehn Jahren tatsächlich vollzogene vollständige Privatisierung betrifft die vormals staatliche Telekommunikationsbehörde, die jetzt privatisierte „TelBru“. Petroleum Brunei wurde teilweise privatisiert und soll einschließlich ihrer Auslandsaktivitäten für den Staat nach der Umstrukturierung weiter ausgebaut werden. Der Mobilfunk ist ebenfalls teilweise privatisiert, aber mit staatlicher Mehrheit. Der Umbau des Steuersystems und der Abbau staatlicher Subventionierungsmaßnahmen schreiten voran.

Die Privatisierung der Stromversorgung, Post, Kfz-Inspektion (TÜV), Straßenbauverwaltung, Technische Betriebe (Technical Services Department), Abwasserbetriebe, Wasserversorgung, Flughafen, Regierungsdruckerei, Hafenverwaltung, IT-Werkstätten lässt weiter auf sich warten, eine Privatisierungsdebatte wird gegenwärtig nicht geführt. Für Privatisierungsmaßnahmen in Brunei gilt Vorrang für nationales staatliches Kapital, inzwischen kommt aber auch privates bruneiisches Kapital stärker zum Zuge. Für ausländische Beteiligungen gilt ein 70%-Anteil gegenwärtig als Obergrenze, d.h. 30% der Geschäftsanteile müssen auf jeden Fall in bruneiischer Hand verbleiben. China, ostasiatische Länder, zunehmend auch Indien engagieren ich beim Umbau der bruneiischen Wirtschaft.

Strukturreformen

Zur Förderung ausländischer Direktinvestitionen und zur Diversifizierung der Wirtschaft durch den Aufbau eines von Öl und Gas unabhängigen Industriesektors wurde 2001 das Brunei Economic Development Board (BEDB) geschaffen, das  seit 2010 direkt dem Amt des Premierministers (Sultan) untersteht .

BEDB wirbt mit den günstigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes: gesunde Wirtschaft trotz sinkender Erlöse aus den internationalen Verkäufen von Öl und Gas (LNG), einer Außenverschuldung nahe Null, Stabilität des Staatshaushalts aufgrund in guten Jahren gebildeter Rücklagen, hohe Auslandsreserven, große Anstrengungen für eine langfristig gesicherte Erdöl- und Erdgasförderung, politische Stabilität und Sicherheit, gut ausgebildete Arbeitskräfte, gute Infrastruktur und günstige geographische Lage des Sultanats in der Mitte des ASEAN-Raumes. Der Ausbau des Freihandels und weitere Liberalisierungsmaßnahmen innerhalb von ASEAN und den Partnerländern - vor allem Indien, China und Japan - werden die wirtschaftlichen Bedingungen für Brunei weiter verbessern.

Seit 2008 stellt die „Vision 2035“ die gültige, aber kontinuierlich ergänzte und erneuerte wirtschafts-und sozialpolitische Richtlinie der bruneiischen Regierung auf dem Weg zu einer voll entwickelten Industriegesellschaft dar. Sie ist neben den Fünfjahresplänen das langfristige Entwicklungsprogramm des Landes. Zielsetzung ist neben der Verringerung der Abhängigkeit vom Export fossiler Ressourcen auch die weitere Erhöhung des Lebensstandards, verstärkt durch Bildung und Ausbildung, seit einigen Jahren verstärkt durch gewerblich-technische Berufsbildung. Auf diesem Wege möchte Brunei zu den entwickelteren Staaten in der Region aufschließen. 

Verkehr und Umwelt

Brunei hat mit einem Straßennetz von 3.400 km (2016) und über  300 000 gemeldeten Kraftfahrzeugen - bei einer jährlichen Zunahme um ca. 15.000 neue Kfz - eine hohe und weiter zunehmende Verkehrsdichte. Die Kfz-Dichte Bruneis ist mit ca. 720/1000 Einwohner eine der höchsten der Welt.Der öffentliche Nahverkehr ist  schwach entwickelt. Die staatliche "Royal Brunei Airlines" wird weiter ausgebaut und modernisiert. Sie fliegt im Liniendienst mit modernen Großraummaschinen über 20 Städte in Asien, Europa, dem Mittleren Osten sowie Australien und Neuseeland an. Weitere Flugzeugkäufe sind geplant. Die Erweiterung des regionalen und internationalen Streckennetzes wird weiter vorangetrieben. Ausbau und Modernisierung des Flughafens der Hauptstadt Bandar Seri Begawan wurden 2014 abgeschlossen.

Deutschland und Brunei haben 1993 ein bilaterales Luftverkehrsabkommen geschlossen. Im Handelshafen Muara können Schiffe bis zu 20.000 BRT (Bruttoregistertonnen) abgefertigt werden. Seit 2008 laufen deutsche Kreuzfahrtschiffe Brunei im Winterhalbjahr  gelegentlich an.

Aufgrund seiner  niedrigen Bevölkerungsdichte sowie einer geringen Zahl von Industriebetrieben hat das Land nur begrenzte Umweltbelastungen. Probleme verursachen v.a. der Straßenverkehr und die Abfälle der Konsumgesellschaft. 80 Prozent der Landfläche Bruneis bestehen aus tropischem Regenwald, der seit vielen Jahrzehnten zu großen Teilen unter Schutz steht ("The green heart of Borneo").

Elektrizität wird  zu über 99 Prozent durch thermische Kraftwerke (primär Gas) erzeugt. In einem Pilotprojekt werden lediglich 0,05 Prozent  des Stroms in einer Solaranlage erzeugt. Bis 2035 soll der Anteil nichtkoventioneller Energieträger auf 10 Prozent  gesteigert werden. Außerdem soll der Energiemix diversifiziert werden und Strom aus Malaysia importiert werden.  

Alternative Energien sollen  stärker gefördert und der Verbrauch fossiler Energie bis 2035 stark reduziert werden, wie der Sultan auf dem UNO-Umweltgipfel im September 2014 in New York in Aussicht stellte. Allerdings wird auch zukünftig die steigende Nachfrage nach Elektrizität (40 Prozent gehen in den Verbrauch der Klimaanlagen) durch Verbrennung von Öl und Gas, auch in den zu errichtenden neuen Kraftwerken des Landes, befriedigt werden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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